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Kopfgrafik Radierung

Unkorrigierte Auszüge aus dem Buch-Manuskript "Neue und alte Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren" von 1997 (vor der ersten Auflage) - ohne Abbildungen, Ergänzungen und Tabellen. Das Buch ist 2006 in der fünften, nochmals überarbeiteten Auflage erschienen

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Techniken mit Chromgelatine

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Chemische Vorbemerkung

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Das von Poitevin entwickelte Chromatverfahren beruht darauf, dass Papier, mattierte Spiegelglasscheiben oder dergleichen mit einer durch Kaliumbichromat lichtempfindlich gemachten Leim-, Gelatine- oder Eiweißschicht überzogen und unter einem photografischen Negativ belichtet werden. Belichtete und unbelichtete Stellen verändern sich derart, dass erstere Druckfarbe annehmen und letztere diese abstoßen. Auf diesem Prinzip beruhen Bromöldruck und Lichtdruck. Ausserdem härten Kolloide, die mit Chromsalzen versehen werden, beim Belichten aus und werden säurewiderstandsfähig.

Kolloide sind Stoffe, die in Gel- oder Solzustand vorhanden sind und Riesenmoleküle bilden: Eiweiß, tierische oder pflanzliche Leime, z.B. Fischleim, Schellack (Blaulack-Kopie), Polyvinylalkohol (Rotlack- und Kunststoffkopie) und Zelluloid. Das lichtempfindliche Salz ist meist Ammonium- oder Kaliumdichromat. Auch durch zitronensaures Eisen taucht in Rezepturen auf. Ammoniumbichromatschichten haben kürzere Belichtungszeiten.

Die Lichtempfindlichkeit von Chromatschichten können Sie durch Zusatz von Cerchlorid, Kupferchlorid, Eosinsilber, Halogensilber oder Quecksilberdampf steigern. Vorsicht! Quecksilberdämpfe sind hochgiftig!

Kolloide haben bei 60% relativer Luftfeuchtigkeit dir höchste Empfindlichkeit. Für die Messung der Luftfeuchtigkeit benutzen Sie am besten ein Hygrometer.

Prinzip

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Sie bestreichen die Platte mit Gelatine-Bichromat-Mischung, das wegen seiner Lichtempfindlichkeit im Dunkeln trocknen muss. Durch das Belichten erfolgt eine Härtung der Gelatineschicht an den Stellen, die dem Licht ausgesetzt waren, d.h. die Chromgelatine bindet bei Belichtung wasserunlöslich ab. Durch Entwickeln und Auswaschen mit warmem Wasser werden die unbelichteten Stellen ausgewaschen und zur Ätzung frei. Beim Ätzen löst sich nach und nach die Gelatine weiter ab, so dass die am stärksten belichteten Stellen am stärksten geätzt werden. Die Ablösegeschwindigkeit kann durch Härten der Schicht vermindert bzw. verhindert werden.

Herstellung:

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Beschichtung:

Lösung 1:

100g Gelatine

500 ml dest. Wasser

10 g Türkisch-Rotöl

Lösung 2:

150 ml dest. Wasser

20g Kaolin

Lösung 3:

200 ml dest. Wasser

15g Ammoniumbichromat

15g Kaliumbichromat

Entwicklerlösung:

übermangansaures Kali

Schwefelsäure

Härterlösung:

Alaunfixierbad mit Chromalaun
oder Brenzkatechin und Hydrochinon

oder

Ansatz:

  1. Weichen Sie 100g Gelatine in 500 cm3 destilliertem Wasser ein lösen sie zusammen mit 10 g Türkisch-Rotöl im Wasserbad (nicht über 60° C) auf.

  2. Schwemmen Sie 20g Kaolin in 150 cm3 destilliertem Wasser auf und geben das Ganze zur Gelatinelösung hinzu.

  3. Lösen Sie 15g Ammoniumbichromat und 15g Kaliumbichromat in 200 cm3 destilliertem Wasser und geben es zum vorherigen Gemisch.

Hinweise:

Reinigen Sie die Platte mit Schwefelsäure und tragen diese Chromgelatine noch warm im Halbdunkeln auf die Platte auf. Am gleichmäßigsten gelingt dies, wenn die Platte auf einem Teller rotiert. Sie gießen die Gelatine auf und verteilen sie gleichmäßig durch Schleudern. Beim Pinselauftrag muss der Aufstrich der Chromgelatine einfach und dünn sein. Da die Gelatine sofort zu gelieren beginnt, dürfen Sie nicht mehrfach über dieselbe Stelle streichen.

Die Schicht soll im Dunkeln etwa 24 Std. trocknen. Ein Koffer, einen Spaltbreit zur Luftzufuhr geöffnet und mit einem Tuch abgedeckt, eignet sich als Behelfsdunkelkammer.

Belichtung:

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Ein Baustrahler mit 500 Watt ergibt wenige Minuten Belichtungszeit. Je höher der UV-Anteil der Lampe ist, umso kürzer ist die Belichtungszeit. Die Belichtung von Bichromatschichten erfolgt am besten mit speziellen Leuchtstoffröhren, die ein Emmissionsmaximum von 420 nm haben.

Auslösen der Chromgelatine:

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Standardmethode:

Reiben Sie mit einem Schwamm und beinahe kochendem Wasser die nicht abgebundene (nicht ausgehärtete) Chromgelatine ab.

Schnellverfahren:

Lassen Sie übermangansaures Kali 5 min lang auf die Platte einwirken und übergießen die Platte dann mit technisch reiner Schwefelsäure, die Sie zur Hälfte mit Wasser verdünnt haben. Die Gelatine wird abgeschwemmt.

Härten der Gelatine

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Sie gerben die Gelatine im Härtefixierbad:

Es kann aus verschiedenen Mitteln bestehen:

Saures Alaunfixierbad härtet die Gelatine durch Zusatz von Chromalaun

Brenzkatechin und Hydrochinon haben bei einem Ansatz ohne Sulfit ebenfalls eine gerbende (härtende) Wirkung auf Gelatine.

25 ml 37%-ige Formalinlösung in 1000ml H2O
(Gift! Frischluft!)= 3%-ige Formalinlösung

2%-ige Ammoniumbichromatlösung


buchtitel

Online sehen Sie nur gekürzte Auszüge aus dem Ur-Manuskript von 1997.
Das Buch ist in der fünften, erweiterten und korrigierten Fassung erschienen.


W. Autenrieth - Neue und alte Techniken der Radierung und der Edeldruckverfahren
Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepte aus fünf Jahrhunderten - Ein alchemistisches Werkstattbuch
Vom Hexenmehl und Drachenblut zur Fotopolymerschicht

* 5.Auflage 2006
* 228 Seiten
* 120 Abbildungen & 13 Tafeln
* 650 g
* Format: 29,5 x 21 cm
* Buchhandelspreise: BRD 29 €uro / EU 32 €uro

* isbn 3-00-016757-9
* GTIN 978-3-00-016757-7
* Broschur
* Inhaltsverzeichnis (PDF)
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* Lesermeinungen

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